Warum Pflege keine Frage des Geschlechts ist…

Warum Pflege keine Frage des Geschlechts ist…

Es gibt diesen Moment im Bad, den die meisten von uns kennen: eine Frau, ein Mann, ein Waschbecken, ein Cremetiegel. Nach einem kurzen Blick folgt dann meist ein Schulterzucken: Der Herr der Schöpfung taucht seinen Finger gedankenlos in die weißliche Masse. „Wird schon passen.“ Und hier nimmt ein Missverständnis seinen Lauf, das es jeden Tag auf der ganzen Welt gibt: die Annahme, dass Hautpflege geschlechtsneutral sei. Haut ist doch Haut – lautet zumindest die Argumentation vieler (der meisten?) Männer. Weit gefehlt. Biologisch gesehen unterscheidet sich die Haut so deutlich wie das Geschlecht. Und genau deshalb wirkt Pflege nicht gleich!

Robust, aber nicht unverwundbar

Nun erst einmal die Fakten: Männerhaut ist durchschnittlich 15 bis 20 Prozent dicker als Frauenhaut. Woran das liegt? Der Kollagengehalt ist höher und die Struktur der Lederhaut dichter. Dadurch ist Männerhaut „mechanisch“ (sie kann mehr ab) belastbarer, und Falten zeigen sich oft später. Gleichzeitig arbeiten die Talgdrüsen mit größerer Leistungsfähigkeit: Die Haut ist also länger geschmeidig und besser geschützt vor äußeren Einflüssen. Doch dieser Vorsprung ist begrenzt. Denn mit zunehmendem Alter sinkt der Testosteronspiegel und die Produktion von Kollagen nimmt ab. Zu allem (Männer-)Übel werden auch die Talgdrüsen träger. Ergo: Wer sich bis dahin auf Wasser, Seife und Handtuch verlassen hat, wird das bald sehr schnell merken bzw. sehen. Die Haut verliert ihre Spannkraft, sie wird fahler und trockener.

Hormone sind am Steuer

Geschlechtsneutralität ist also so gar nicht denkbar. Kommen wir aber zum entscheidenden Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Haut: dem Hormonhaushalt. Wie gerade erwähnt, fördert Testosteron die Talgproduktion und führt zu einer dickeren Hautstruktur. Bei Frauen sind es hingegen die Östrogene, die die Feuchtigkeitsbindung und die Elastizität der Haut beeinflussen. Das erklärt auch, warum wir Frauen früher feine Linien im Gesicht zeigen, Männer dafür häufiger mit Unreinheiten oder später mit Akne zu kämpfen haben.

Diese Unterschiede haben folglich direkte Auswirkungen darauf, wie die benutzte Skincare wirkt. Beispiel: Eine reichhaltige Creme, die auf die weiblichen Bedürfnisse abgestimmt ist, kann Männerhaut schnell überpflegen. Daraus resultieren verstopfte Poren, Glanz oder Entzündungen. Neutrale, reichhaltige Produkte mit klarer Formulierung, wie die Day and Night Rich Cream, können dann aber von beiden Geschlechtern gut genutzt werden.

Talg ist kein Feuchtigkeitsersatz

Kurz noch zu einem weit verbreiteten Irrtum: Viel Talg bedeutet automatisch viel Versorgung. Ja, tatsächlich schützt Talg vor Feuchtigkeitsverlust. Aber er ersetzt keine Feuchtigkeit. Das unschöne Paradoxon: Männerhaut kann unter der Oberfläche bereits dehydriert sein – und doch wirkt sie nach außen noch fettig. Spannungsgefühle nach der Dusche und kleine, schuppige Stellen (trotz Glanz) sind typische Anzeichen. Pflege bei Männern geht also anders. Mehr Hyaluron (speichert Wasser), mehr antioxidative Wirkstoffe (wie Vitamin C) unterstützen die Regeneration.

Auf die Bedürfnisse kommt es an

Der Griff zur Creme der Partnerin mag nicht falsch klingen („hilft ihr ja auch“), muss aber differenziert betrachtet werden. Produkte für Frauenhaut orientieren sich an anderen Bedürfnissen: weniger Talg, dünnere Haut, stärkere Feuchtigkeitsverluste. Männerhaut reagiert darauf recht häufig mit Überreaktionen, sprich Irritationen. Umgekehrt gilt übrigens dasselbe. Was das heißt? Hautpflege funktioniert dann am besten, wenn sie zur Haut passt – und nicht zur Person, die sie gekauft hat.

Pflege ist nicht zeitaufwendig

Ein häufiger Einwand von Männern lautet: Pflege ist doch so zeitaufwendig. Falsch. In der Realität braucht es nur wenige Minuten. Reinigen – um Schmutz und überschüssigen Talg zu entfernen. Pflegen – um Feuchtigkeit zuzuführen und die Hautbarriere zu stabilisieren. Mehr braucht es nicht. Wer sich daran hält, sieht länger gut aus. Klar, ein windgegerbtes Gesicht kann auch ganz sexy sein – zumeist in schön fotografierten Hollywood-Filmen. In der Realität gelten aber andere Gesetze. Und daran sollten sich beide Geschlechter halten.